Chemie

Was sagt mir das C/N-Verhältnis des Bodens?

Mancher fragt sich, wer ist C? Wer ist N? Und warum haben die ein Verhältnis? Das ist einfach erklärt. Bodenfachleute beschreiben mit dem C/N-Verhältnis die Fruchtbarkeit von Böden oder Streuauflagen. Das C steht für das Atom Kohlenstoff und das N für Stickstoff, ein Element, das für das Pflanzenwachstum wichtig ist.

Aber was bringt es mir, davon zu wissen? Eine ganze Menge! Denn das Verhältnis zwischen Kohlenstoff und Stickstoff steuert die Verfügbarkeit des für Wachstum wichtigen Stickstoffs im Boden. Man sagt, dass jeder Wert unter 25 gut ist. In dem Fall würde die Messung einer Bodenprobe im Labor ergeben, dass auf auf 25 Teile Kohlenstoff ein Teil Stickstoff kommt.

Von entscheidender Bedeutung dabei ist folgendes: Die Abbaugeschwindigkeit etwa von Herbstlaub, das auf den Boden fällt und von Bodentieren gefressen und zersetzt in den Untergrund gelangt, ist abhängig von Umweltbedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit und der mineralischen Beschaffenheit des Bodens. Aber wesentlich ist eben auch die Herkunft und Zusammensetzung der anfallenden Pflanzenstreu.

Tannennadeln mit Harz haben ein schlechtes C/N-Verhältnis

Ein Beispiel: Blätter von krautigen Pflanzen haben ein enges, also kleines C/N-Verhältnis. Sie werden nach dem Absterben besonders rasch abgebaut. Verholzte Teile wie Rinde oder Nadeln von Tannen, die viel Harz enthalten, werden nur sehr langsam zersetzt.

Wieso wirkt sich das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff auf die Fruchtbarkeit des Bodens aus? Falls ein Boden wie in der freien Natur nicht chemisch gedüngt wird, bekommt er seine Nährstoffe fast nur durch zersetztes organisches Material, das die dort wachsenden Pfanzen liefern. Im Normalfall fängt die Kette der Zersetzung mit den Bodentieren an, die die Streu zerkleinern und als Kot in den Boden einarbeiten.

Danach sind die Mikroorganismen an der Reihe. Zuerst besiedeln Pilze den Kot und Pflanzenreste in und auf dem Boden. Danach fallen andere Mikroorganismen über die Pilzreste her. So entstehen entweder neue komplexe Huminstoffe, die sich im Boden anreichern und ihn dunkel färben. Oder am Ende der so genannten Mineralisierung bleiben anorganische Endprodukte wie Kohlendioxid, Wasser und Nitrat über. Auch fallen Nährstoffe wie zum Beispiel Schwefel, Calcium oder Magnesium an.

Wie lässt sich das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff bestimmen?

Nun denken Mikroorganismen wie wir Menschen aber auch immer zuerst an sich selber. Das ist der eigentliche Grund, warum sie organische Reste im Boden zersetzen. Sie haben Hunger, sie brauchen vor allem Kohlenstoff und Stickstoff als Energie- und Nährstoffquelle. Und deshalb befallen sie auch zuerst Reste mit einem guten C/N-Verhältnis, das sich dadurch aber im weiteren Verlauf immer weiter verschlechtert. Und ist aufgrund eines schlechten C/N-Faktors zu wenig Stickstoff vorhanden, verhalten sich die kleinen Biester ziemlich egoistisch: Sie behalten den Nährstoff für sich, die Pflanzwelt muss dann mit Mangel leben.

Für uns als Nutzer des Bodens ist ihre Aktivität aber dennoch von Vorteil. Denn die vielen Zersetzungsprozesse in einem Boden, der organische Reste mit gutem C/N-Verhältnis beinhaltet, sind am Ende vorteilhaft für das Wachstum der Pflanzen. Denn biologische Aktivität setzt immer auch Nährstoffe frei!

Deshalb ist es vorteilhaft zu wissen, welches Material ungefähr welches C/N-Verhältnis hat. Wer heute Laub aus dem Garten in die Biotonne gibt, statt es im Herbst als Kälteschutz auf dem Beet zu verteilen, sollte sich vorher klar machen: Bestimmte Laubsorten erreichen sogar den einigermaßen günstigen Wert von 30. Und frischer Rasenschnitt liegt zwischen 10 und 20, er gehört also mindestens in den Gartenkompost, wo er die biologische Aktivität deutlich verstärkt! Stroh hingegen kann den schlechten Faktor 100 erreichen, es sei denn es ist mit Mist vermischt.

Das C/N-Verhältnis im Boden wird üblicherweise im Labor mit chemischen Analysen ermittelt. Aber als Laie kann man schon annähernd abschätzen, wie fruchtbar der eigene Boden ist. Dazu gibt es eine gute Anleitung in der Workshopreihe „Gärtnern für den Umweltschutz“. Dort gibt es auch Theorie, Aktionsheft und ein Video zum Thema „Humus und Klimaschutz“. Erklärt wird auch, wie anhand der Bodenfarbe der Humusgehalt abgeschätzt werden kann.

Foto: cocoparisienne auf Pixabay