Bodenlebewesen
Lebewesen

Unter der Erdkrume arbeiten massig Bodenlebewesen

Wenn du das nächste mal im Wald bist oder dich mit deinem Garten, Acker oder Hochbeet beschäftigst, dann betrachte mal eine Handvoll Erde und schätze, wieviele Bodenlebewesen du gerade in der Hand hältst?!

Acht Milliarden, in Ziffern: 8.000.000.000!

Also fast genauso viel wie die Zahl der Menschen, die gerade auf der Erde leben. Denn der Boden ist einer der artenreichsten Lebensräume überhaupt. Unter einem Quadratmeter echter Erdkrume leben bis zu 1,5 Kilogramm Lebewesen. Sie fressen lebendes und totes Tier- und Pflanzenmaterial und setzen es um in Nährstoffe für neues Leben. Ein sichtbares Ergebnis ist der Humus, der den oberen Bereich des Bodens in der Regel dunkel färbt.

Ohne Bodenlebewesen könnten keine Pflanzen wachsen, könnten keine Menschen leben

Warum das so ist und was unter unserer Erdkruste so alles lebt, das erfährst du jetzt hier.

Die Bodenkunde teilt alles Lebende im Untergrund in Bodenfauna und -flora ein, also Tiere und Pflanzen. Ihre Hauptfunktion ist der Ab- und Umbau von organischer Substanz wie zum Beispiel welker Blätter, die in den Boden gelangen. Am Ende der Verarbeitungskette dieser Reste bleiben anorganische Elemente über, die im Boden angereichert als Nährstoffe für künftiges Wachstum von Pflanzen zur Verfügung steht.

Wer auf Bodentiere setzt, braucht keinen Spaten

Aber vor allem die Tiere im Untergrund haben noch eine andere Aufgabe. Sie leisten das, was mancher Gartenfreund mit dem Spaten meint tun zu müssen. Sie durchmischen den Boden, wühlen Bodenpartikel durcheinander oder bauen Gräben und Röhren. Damit tragen sie zur Strukturbildung bei, mobilisieren Nährstoffe und regeln den Wasser- und Lufthaushalt der meist festen Erde. Deshalb erspare die am besten das Umgraben mit dem Spaten! Die Tiere machen das schon.

Zwar ist der prominenteste Vertreter der Tierwelt im Erdreich, der Regenwurm, vielen Menschen gut bekannt. Aber es gibt noch viele andere Tierarten im Erdreich, den meisten sind wir schon alle mal begegnet. Es beginnt mit den sehr kleinen Protozoen, die in wassergefüllten Poren leben. Dazu gehören Geißeltierchen, Wuzelfüßler und Wimpertierchen. Sie ernähren sich von Bakterien und bilden zum Überleben Zysten, wenn der Boden austrocknet.

Eine weitere, mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Gruppe, sind die wurmähnlichen Nematoden, die Fadenwürmer. Auch sie nutzen feinste Wasserfilme im Boden und an Pflanzenwurzeln, um zu überleben und sich fortzubewegen. Außerhalb des Bodens haben sie kaum eine Chance, zu überleben. Aber manche von ihnen sind Pflanzenparasiten und deshalb bei Landwirten nicht sehr beliebt.

Auch Schnecken helfen mit Nährstoffen und Klebemittel

Dann gibt es da noch die Mollusken, genauer gesagt: die Schnecken. Sie gelten zwar nicht als typische Bodentiere, aber sie ziehen sich gelegentlich in Bodenhohlräume zurück und verteilen dadurch verdautes Pflanzenmaterial in den Untergrund. Auch ist der Schleim dieser Tiere, den wir alle schon mal gesehen haben, ein gutes Schmiermittel für die körnige Struktur des Untergrunds.

Typische Erdbewohner sind die Anneliden. Zu ihnen gehören die kleineren Enchyträen, die am durchschimmernden Darminhalt erkennbar sind, und die gut sichtbaren Lumbriciden, auch bekannt als Regenwürmer. Beide Tiergruppen fressen liebend gern Blattreste zusammen mit Mineralkörnern, was dann im Darm wie Schmirgelpapier wirkt. Da der Regenwurm auch bis zu fünf Millimeter große Poren durch den Untergrund schaufelt, erkennt man seine Anwesenheit oft an kleinen Wurmhaufen aus seinem Kot an der Oberfläche. Achtung, da kommen im Jahr schnell bis zu siebzig Kilogramm guter Dünger pro Quadratmeter zusammen.

Die letzte große Tiergruppe neben den unübersehbaren Maulwürfen und Wühlmäusen ist die der Arthropoden, auch Gliederfüßer genannt. Sie werden untergliedert in Spinnentiere, Krebse, Tausendfüßer und Insekten. Diese Gruppen kennt vom Namen her doch eigentlich jeder und hat ein Bild vor Augen. Ihre Vielfalt ist unglaublich. So sind im Boden oder in Laubschichten auf der Oberfläche zum Beispiel Spinnen, Pseudoskorpione, Weberknechte, Milben, Asseln, Hundertfüßer, Steinläufer, Saftkugler, Springschwänze, lnsektenlarven, Käfer, Ameisen und vieles mehr unterwegs.

Bakterien, Pilze und Algen kümmern sich um die Exkremente der Tiere

Vergessen wir nicht die Flora, wobei hiermit Bakterien, Pilze und Algen gemeint sind. Die Wurzeln der oberirdischen Pflanzen zählen nicht zur Lebewelt des Untergrunds. Obwohl sie selbstverständlich einen große Rolle im Leben des Erdreichs einnehmen. Während das Reich der Tiere meist pflanzliches Material frißt, zerkleinert und ausscheidet, kümmern sich Bakterien, Pilze und Algen im nächsten Schritt um die weitere Zersetzung der Exkremente.

Die Bakterien stellen mit bis zu zehn Milliarden Vertretern pro Gramm Boden die wichtigste Organismengruppe dar. Sie leben meist nur kurze Zeit im Wasserfilm der Wurzeln oder Mineralien. Dort zersetzen sie mit Enzymen ihres Stoffkreislaufes Substrate, Ausscheidungen und Pflanzenreste in ihrer direkten Nähe in kleinste Einzelteile. Interessantes Detail: Zu den Bakterien gehören auch die Strahlenpilze, die ein Antibiotikum produzieren. Das ist für den typischen Erdgeruch mitverantwortlich.

Während wir die Bakterien also höchstens riechen können, sind die meisten Pilze im Erdreich in bestimmten Jahreszeiten gut sichtbar. Unterteilt wird in Hefepilze und Fadenpilze. Sie dringen mit Hyphen, ähnlich wie Pflanzenwurzeln, in neue Substrate vor und erschließen sich dadurch Nährstoffquellen. Pro Liter Boden findet man schon mal bis zu dreihundert Meter Pilzmycel.

Algen leben vor allem an der Bodenoberfläche und in den obersten Millimetern. Sie haften an Oberflächen von Steinen, Streu, Borke und Kot. Ihre Anzahl ist mit bis zu hunderttausend Vertretern pro Gramm Boden recht gering. Manche Pilze bilden mit Algen zusammen eine Symbiose, die gut sichtbar ist und Flechte genannt wird. Sie sind als Erstbesiedler nicht lebender Materialien wichtig.

Foto: Natfot auf Pixabay

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