Bodentiere
Lebewesen

Dem Orchester der Bodentiere lauschen?

Wer kennt sie nicht, die Aufnahmen von Walgesängen aus den Meeren? Oder die Ultraschalllaute von Fledermäusen, die wir durch spezielle Detektoren hören können? Aber auch Bodentieren können wir zuhören. Das Schweizer Projekt Sounding Soil hat sich darauf spezialisiert.

Dahinter steckt das junge Forschungsgebiet der Ökoakustik. Es verwendet Tonaufnahmen, um Beziehungen in der Umwelt zu untersuchen. In ihren Aufnahmen hören die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Sounding Soil Tiere wie Springschwänze, Milben, Hundertfüßer, Käfer, Asseln, Fliegenlarven, Regenwürmer, Spinnen, Heuschrecken und Zikaden, die in der Regel größer als 0,5 Millimeter sind. Um das nachweisen zu können, haben sie an den Aufnahmeorten Bodenproben entnommen und untersucht.

Bodentiere produzieren unterschiedliche Geräusche

Die meisten Arten machen Geräusche, wenn sie sich durch den Boden bewegen oder fressen. Andere nutzen den Boden aber auch, um miteinander zu kommunizieren. Es sind aber auch Tiere zu hören, die auf dem Boden leben. Dort erzeugen sie Vibrationen, die die Artgenossen über die Körper oder Beine wahrnehmen können. Entsprechend ihrer Körpergröße, ihrem Körperbau und ihrer Verhaltensweise produzieren die Bodentiere unterschiedliche Geräusche. Je verschiedener die Tiergeräusche in einer Aufnahme sind, umso vielfältiger ist daher die Bodenfauna, so das Ergebnis.

Die Forschenden versuchen dann anhand sogenannter „Akustischer Indices“ die Artenvielfalt im Boden akustisch zu messen. Dabei haben sie an verschiedenen Standorten bereits sehr deutliche Unterschiede feststellen können. Konventionell bewirtschaftetes Ackerland zum Beispiel ist stiller und weist weniger verschiedene Geräusche auf als eine biologisch bewirtschaftete Wiese. Das passt doch auch zum visuellen Eindruck zwischen Acker und Wiese, oder? Aber auch im Waldboden ist es etwas stiller, da dieser in der Regel kühler ist und die Bodentiere weniger aktiv sind als in einer sonnenbeschienenen Wiese.

Sounding Soil will öffentliches Bewusstsein für gesunde Böden stärken

„Eines der wichtigsten Ziele unseres Projekts ist es, die Prozesse und das Leben im Boden sinnlich erfahrbar zu machen und damit das öffentliche Bewusstsein für gesunde Böden zu stärken“, sagen die Leute von Sounding Soil. Sie wollen ein Forschungs-, Sensibilisierungs- und Kunstprojekt sein, in dem die Akustik von Bodenökosystemen untersucht wird.

Dafür entwicken sie Aufnahme- und Messmethoden, um die akustische Aktivität und die Zusammensetzung von Lebewesen im Boden zu untersuchen. Aber sie gehen auch in Schulen, wo sie zusammen mit Schülerinnen und Schülern Geräusche der Böden aufnehmen und versuchen, Bodentiere zu finden und zu bestimmen: „So verknüpfen sie dieses Erlebnis mit neuem Wissen zum Ökosystem Boden“, lautet das Ziel.

Auch mit einer Soundinstallation will das Soil-Projekt möglichst viele Menschen erreichen. Und wer in der Schweiz lebt, kann ein Aufnahmegerät ausleihen, um selber in den Boden zu hören.

Hier gibt es einen -> Film über Sounding Soil.

Foto: Free-Photos auf Pixabay

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