Regenwurm
Lebewesen

Europäischer Regenwurm schadet Insekten in Wäldern Nordamerikas

Wir wissen, wie wichtig der Regenwurm in deutschen Böden ist. Aber es gibt auch Regionen auf der Erde, wo seine Präsenz uncoole Wirkungen hat. So beeinträchtigen zum Beispiel nach Nordamerika eingeschleppte Regenwürmer dort die oberirdisch lebende Insektenwelt.

Mindestens seit der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren gab es im nördlichen Teil Nordamerikas so gut wie keine Regenwürmer. Allerdings wurden sie in den letzten Jahrhunderten, vermutlich über Erd- und Pflanzentransporte aus Europa, wieder eingeführt. Seitdem breiten sie sich aus und verändern den Boden erheblich – mit tiefgreifenden Folgen für das Bodenökosystem.

Auf regenwurmreichsten Flächen 61 Prozent weniger Insekten

Welche Auswirkungen die Invasoren, also nichtheimischen Eindringlinge, jedoch auf die oberirdische Welt haben, wurde bislang wenig untersucht. Bodenökologinnen und -ökologen haben deshalb unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung und der Universität Leipzig in einem Waldstück nahe Calgary in Kanada, in dem es sowohl von Regenwürmern besiedelte als auch nichtbesiedelte Teile gibt, die Welt der oberirdischen Insekten untersucht.

Dabei stellten sie fest, dass sich die Häufigkeit, Biomasse und auch Artenzahl auf Flächen, die von Regenwürmern besiedelt waren, von solchen ohne den Ringelwurm erheblich unterschieden. Auf den regenwurmreichsten Flächen ging die Zahl der Insektenindividuen um 61 Prozent zurück, ihre Biomasse um 27 Prozent und die Artenzahl um 18 Prozent.

„Wir hatten erwartet, dass Regenwürmer auch Auswirkungen auf oberirdische Insekten haben würden“, sagt Bodenexperte Malte Jochum: „Ich war aber doch überrascht, wie stark diese Auswirkungen waren und dass sowohl die Häufigkeit als auch die Biomasse und die Artenzahl betroffen waren.“ Über welche Mechanismen die Regenwürmer die Insekten beeinflussen, ist jedoch noch unklar: „Möglich wäre, dass die Würmer oberirdisch lebenden Insekten, die totes Pflanzenmaterial zersetzen, wie etwa Käfer und Fliegenlarven, die Nahrung und ihren Lebensraum wegfressen“, meint Jochum.

Da Insekten zu einem Großteil Pflanzenfresser sind, läge auch die Vermutung nahe, dass der beobachtete Insektenrückgang auf eine Veränderung der Vegetation zurückzuführen ist, ausgelöst durch Veränderungen im Boden. Eine signifikante Veränderung der Pflanzen-Artenzahl oder -Deckung konnten die Forscherinnen und Forscher jedoch in diesem Fall nicht feststellen. „Damit ist der Einfluss über die Pflanzen jedoch nicht ausgeschlossen“, sagt Experte Malte Jochum.

Eingeschleppte Regenwurmarten gibt es nicht nur in Nordamerika, sie kommen auf fast allen Kontinenten vor. Da in Nordamerika jedoch für sehr lange Zeit nur sehr wenige Regenwürmer vorhanden waren, ist ihr Effekt hier besonders groß.

„Für Regionen wie Mitteleuropa, wo die heimischen Artengemeinschaften sich gemeinsam mit den Regenwürmern entwickelt haben, sind Probleme durch neue Regenwurmarten deshalb kaum zu erwarten“, beruhigt der Bodenökologe: „Ganz im Gegenteil, hier sind sie bedeutende Lebensraumingenieure, von denen viele wichtige Ökosystemfunktionen abhängen.“

Foto: V. Gutekunst

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